Freitag, 17. Juli 2009

Regenschirmerlebnisse.

Meine Stadt aus Gottes Sicht... genau auf diese Entdeckungsreise haben wir uns heute mit einer kleinen Gruppe von Leuten in Würzburg gemacht, jeder in einem anderen Stadtviertel. Zum Start hat Christoph einige Daten und Zusammenhänge von Würzburg vorgelesen hat, während im Hintergrund eine Präsentation mit Impressionen aus der Stadt zu sehen war.

3 Fragen begleiteten unseren Weg durch den Regen:

(1) Was ist BEEINDRUCKEND an deiner Stadt? - Was gefällt Gott an Würzburg?
(2) Was macht dich traurig? - Wo sieht Gott NOT?
(3) Wo begegnet dir HOFFNUNG in Würzburg? - Wo ist Gott bereits an der Arbeit?

Es wurde ein bewegender Weg... auf dem mir lachende, fröhliche Ausländer begegneten, die mit ihrern Kindern durch den Regen sprangen. ... und auf dem ich ein langes Gespräch unter meinem Regenschirm mit einer jungen Frau hatte - zuerst um Geld bittend, ... dann suchend, fragen, neugierig,.. verstrickt in Drogen & Alkohol.. Perspektivlos und doch voller Träume (sie wäre gern Tierärztin.. möchte verletzte Tiere gesund pflegen..)... mit überlebten Suizidversuchen.. sie mag Würzburg - vor allem die Kultur (U & D, Afrikafestival, Kiliani,..)... und sie glaubt an eine höhere Macht.. sie wollte wissen, was und wen ich mit Gott meine... .... neben uns rennen Menschen vorbei, gebückt unter Regenschirmen... meine rechte und ihre linke Seite werden immer nasser - der Schirm war nicht groß.


Am Ende unseres Gespräches verraten wir uns noch unsere Namen.. und wünschen uns "alles Gute"...

Ich konnte Jesus in ihr sehen. Und ich bete, dass sie ihn in mir sehen konnte... Ich bin beeindruckt von ihrer Stärke und Mut; betroffen von ihrer Not und sehe Hoffnung in ihrem Leben.

Es war so spannend, zu hören was die anderen auf ihren Wegen erlebt haben während sie: "betend gesehen und sehend gebetet" haben.... jeah.

Dienstag, 7. Juli 2009

Trauer. Und tiefe Achtung...

... fühle ich gerade, als ich die Zeilen lese, dass Sabine Ball gestorben ist.
Sie ist eine Frau, die mein Leben sehr beeinflusst hat.. in deren Wohnzimmer ich ein Jahr lang immer wieder saß, mit ihr Tee getrunken habe... aus ihrem bewegten Leben gehört hab - von Siegen und Niederlagen, Vertrauen und Zweifeln.. und wo zwischen jeder Zeile und bei jedem Lächeln und jedem gütigen & liebevollen Blick, ihr Vertrauen und ihre tiefe Beziehung mit Gott spürbar war...

Eine Frau.. die Kinder in ihre Arme nahm, Abends ihre Runden durch die Neustadt drehte und bis Nachts mit Menschen auf der Strasse sprach, bete, zuhörte und erzählte... die 100% im Hier & Jetzt lebte und 100% Gott sah & die Ewigkeit in ihren Augen sichtbar war... eine starke Frau, voller Mut und Vision, die sich täglich schwach & verletzlich machte, um Menschen zu dienen und sie zu lieben..

... zu Recht nennt man sie "Mutter Teresa von Dresden"....




*****T R A U E R*****


und DANK... ihr Herz kennengelernt zu haben... an ihrer Vision mitzubauen... und jetzt aus der Ferne zu sehen, wie ihre ausgestreuten Samen wachsen... DANK, dass Gottes & ihr Traum lebt. Und sie Jesus jetzt von Angesicht zu Angesicht sieht.

Freitag, 26. Juni 2009

witzige aktion: Flashmob

http://vids.myspace.com/index.cfm?fuseaction=vids.individual&videoid=59548720

Gibt's nicht in Würzburg auch was, wo wir mal so ne witzige Aktion machen könnten? :-)

Mittwoch, 17. Juni 2009

Schweigen.. "_Offline"

9 einfache Buchstaben, die doch so schwer und gleichzeitig geheimnissvoll sind. Zu diesem Thema haben mich die Gedanken von Pete Greigs neuem Buch "Offline. Warum antwortest du nicht, Gott?" sehr fasziniert. Er beschäftigt sich in einem Kapitel mit dem Karsamstag - ein Tag an dem Gott/der Himmel/ die Kirche schweigt?! Der Tag, nachdem etwas Gestorbenen ist und der Tag, bevor ein Wunder passiert. Ein Tag voller Hoffnung auf etwas, was noch nicht da ist.
Pete Greig fordert die Leser heraus, dass Schweigen zu erforschen. Und damit zuerst mal die Spannung & das Chaos & den Schmerz & die Angst auszuhalten, dass Gott manchmal spricht, manchmal aber auch nicht.
> Bin ich bereit (in aller Öffentlichkeit) "mein Gott mein Gott warum hast du mich verlassen" zu rufen? Was für Reaktionen würde ich bekommen - von Christen, der Gemeinde, nichtchristlichen Freunden? Wie haben sich wohl die 24h des Sabbats für seine Freunde damals angefühlt?
Und können wir das Zusammendenken: Gott schweigt und ist gleichzeitig anwesend?

So, schön gedacht.. und praktisch? Wie kann ich/du von einem Durchhalten dieser Zeiten zu einer aktiven Auseinandersetzung und damit dem Einlassen auf Gottes Schweigen kommen?
Pete skizziert zwei Hilfen, um aus unbeantworteten Gebeten etwas Kreatives für Gott entstehen zu lassen:

> zurückschauen: an Zeiten der Gespräch erinnern. Wut/ Empörung/ Klage/ Angst rausschreien (Psalmen!). "Echos" wahrnehmen und damit kleine Funken des "vielleicht doch" oder "was wäre wenn" wahrnehmen (Wie müssen sich die Jünger gefühlt haben, als an diesem Sabbatmittagessen ganz nach jüdischer Tradition Brot und Wein gesegnet und verteilt wurde??? - Es MUSS jede Erinnerung an das letzte Abendessen mit Jesus - Donnerstag Abend - wiedergekommen sein..)

> sich umschauen: Gott in anderen Menschen + an anderen Orten begegnen. Ist Gott vielleicht genau neben uns, mitten im Dreck (nicht gleich zu erkennen)? Oder spricht er "durch ganz normale Handlungen von ganz normalen, ahnungslosen Menschen"?
(Wie muss es für Nikodemus gewesen sein, einen zerrissenen Tempelvorhang vorzufinden? Ist Bethanien durch Lazarus & Maria & Martha zu einem Ort des Trostes geworden - an dem 7 Tage zuvor noch "Hosianna" gerufen wurde und der Geruch nach Parfum noch in der Luft lag?)

Und, traust du dich zu schweigen? Oder doch lieber:
"Wir rennen beunruhigt weiter, um Sinn und Schönheit doch noch zu entdecken, wo einfach nichts ist. Noch nicht."

P.S. Sehr spannend dürfte zu diesem Thema auch das jetzt in Deutsch veröffentlichte Buch: "Die Hütte" sein...

Samstag, 13. Juni 2009

Zitat des Abends:

"Leute, wenn Jesus die Juden damals herausforderte, zu den Heiden zu gehen, dann ist das in etwa so, als wenn ein Veganer Schweinefleisch essen soll. Und zwar einen ganzen Haufen!!!"

(Auszug aus dem Abend "Missionales Leben" mit Klaus Schönberg..)

Dienstag, 2. Juni 2009

"Das ist Gottesdienst"..

.. so hieß das Thema für den "Gottesdienst" der Citychurch am 17.5. Nur - es fand nichts im Kino statt, sondern verteilt an verschiedenen Orten der Stadt... in Form eines Besuches im Altenheim. Durch die Gestaltung eines großen Buffets in der Würzburger Wärmestube. Oder bei dem Verteilen von Muffins an "Sonntagsarbeiter".. aber seht selbst:

http://www.youtube.com/watch?v=DZmL532NpHs

Sonntag, 24. Mai 2009

Polypsychismus

Als Thema des diesjährigen APS-Kongresses wurde "Identität" gewählt und damit ein weiter Raum für tolle Vorträge, Podiumsdiskussionen, Seminare und Kaffeepausengespräche geöffnet. Einen sehr spannenden Vortrag hielt Prof. Dr. med D. Hell zu der Veränderung des Identitätsverständnisses. Er beschrieb das (Postmoderne) Phänomen der Abkehr von dem christlich-jüdischen Monothismus. Seiner Meinung nach geht damit auch die Abkehr von einem Monopsychismus - eine einheitliche Seele und ein einheitliches Selbst - einher. Durch die wachsende Globalisierung und damit der Möglichkeit paralleler Lebendwelten, verbreitet sich mehr und mehr der Polytheismus und Polypsychismus - ein Vorhanden-sein von mehreren Seelen- bzw. Identitätsteilen, sogenannten "Subselfs".
Stimmt das? Ich kann diesen Wahrnehmungen nur zustimmen. Ok, ein kleines plastisches Beispiel: in den letzten 24 Tagen bin ich 4200 (!!) km mit dem Auto gefahren (München, Florenz, Pisa, Kitzingen, Leipzig, Bautzen, Dresden, Marburg, Würzburg, Kitzingen,..). In der Zeit war ich in unzähligen verschiedenen Rollen/ Wesenszügen.. um mal einige zu nennen: Diplomantin, Urlauberin, Beraterin, Frau, Freundin, WG-mitbewohnerin, Gemeindeleiterin, Schwester, Gottes Ebenbild, Tochter, Enkelin, Sportlerin, Trainerin, Genießerin, Lastenträgerin, Grenzensetzende, Organisatorin, Starke,.... und so weiter. Das alles bin ICH. Aber kann ich das bei so vielen Anteilen und schnellen Wechseln noch wahrnehmen?
D. Hell sprach von der Herausforderung eine "Ich-Identität zu erringen, die ganz ist, auch wenn sie verschiedene Wesenfacetten hat". Er beschrieb die Seele mit dem Bild der Taube - verknüpft mit Frieden, Freiheit, Hoffnung und Gottes Geist. Damit das nicht kaputt geht, apellierte er daran, sich "Zeit zu nehmen für das Innere" (je stärker der Druck von außen ist, desto wichtiger ist diese Zeit) - oder knapp formuliert: "Je mehr High-Tech es gibt, desto mehr High-Touch benötigen wir!" Abschließend warnte er vor der Gefahr, das Selbstbilder (und damit Rollen und Wesenszüge) wichtiger werden, als das Selbsterleben (spüren, innewerden, bewusst wahrnehmen).
Auch dem kann ich zustimmen. Nochmal ein konkretes Beispiel: heute bin ich mit Decke, Bibel, Blätter, Kaffee, Becks ;-), Obst und Wasser auf einen Berg gebiket. Und hab genau das gemacht... mir Zeit genommen. 4 Stunden lang. Um nochmal über die vielen Rollen auf den 4200km nachzudenken und Gott zuzuhören. Ich habe überlegt, welche Identitätsteile mich Kraft gekostet haben und in welchen Rollen ich als Ganze Person Kraft bekomme. Und mir sind 4 Rollen aufgefallen, nach denen ich Sehnsucht hab, die es aber in den letzten 24 Tagen (fast) nicht gab: die Schwache, Zurückgezogene, Getragene & Fehlerhafte.
Könnte das auch eine Gefahr sein, von postmodernen Identitätsentwicklungen - fehlende oder wenige Möglichkeiten für Schwäche, Angst, Zweifel, Fehler, Scham,..?

Wir erlebt ihr aktuelle Identitätsentwicklungen? Gibt es da Parallelen mit dem von D. Hell beschriebenen "Polypschismus"?