Freitag, 19. Dezember 2008

Dich schickt der Himmel

"Als armes Kind mitten hinein in eine Zeit
in der Könige mit Purpur und Palästen prahlen,
schickt dich der Himmel zu verkünden:
"Das Reich Gottes ist da!"

Als hilfloses Kind mitten hinein in eine Zeit,
in der Aussätzige und Sklaven von der Gesellschaft verstoßen,
schickt dich der Himmel zu verkünden:
"Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!"

Mitten hinein ins Heute, in eine Zeit,
in der man in einer erste, zweite, dritte Welt unterteilt,
in der man mit Kriegen Geld verdient,
schickt dich der Himmel zu verkünden:
"Der Friede sei mit euch!"

Mitten hinein ins Heute, in eine Zeit,
in der Rücksicht und Anteilnahme einen schweren Stand haben,
in der alte, behinderte und kranke Menschen zur Bedrohung des Sozialsystems werden,
schickt dich der Himmel zu verkündigen:
"Einer trage des anderen Last!"

Dich schickt der Himmel...
damals wie heute - mitten hinein in eine schwierige Zeit."

(aus Wernauer Adventskalender "StörenFriede")

Was kann soll darf muss will ich machen, am Heilig Abend? Familie, Geschenke, Kirche, Tradition...? Zur Ruhe kommen, Erholung, Dankbarkeit für eine heile Familie?
Aber hatte es Jesus "kuschelig" bei seiner Geburt? Was ist mit den vielen Menschen um mich herum, die einsam... traurig... ausgeschlossen... sind?

Wo würde (werde?) ich Jesus "Heilig" Abend finden?

*

Praktisch... was wäre, wenn sich 2 oder 3 Freunde zusammen tuen, Weihnachten gemeinsam kochen und dazu Leute aus der Strasse/ Stadt einladen? Was wäre, wenn Familien ihre Häuser aufmachen, und die einsame Oma von nebenan oder den Witwer mit Spielschulden einladen? Oder wie wäre es, den Heilig Abend im Altersheim zu verbringen - Geschichten von Weihnachten 1945 zu hören, gemeinsam zu lachen und zu weinen? Tja, oder Weihnachten in der Disco, auf dem Strich, im Obdachlosenheim, im Frauenschutzhaus,.... ???

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo Kerstin,
gehst Du nicht etwas hart mit Dir ins Gericht? Es ist sicher positiv, dass Du an die Underdogs denkst. Nur - Du hast doch Familie. Selbstaufgabe war doch nicht Gottes Gedanke. Ja, wir sollen folgen...- Jesus hat sich auch geopfert - wir sollen aber auch Gemeinschaft haben, und LEBEN. Welchen Schmerz fügst Du Deiner Mutter zu, wenn Du an Weihnachten nicht bei ihr bist, weil Du auf der Straße helfen willst?
Es ist gut, darüber nachzudenken, Lösungen zu suchen. Es gibt sicher Konstellationen, wo Dein Gedanke umsetzbar ist. Nur darf man doch das Bad nicht mit dem Kinde ausschütten.

Kerstin hat gesagt…

tja, das ist wohl die Spannung aus: "Du sollst Vater und Mutter ehren" (2Mose 20,12; Mat 15,4; Eph 6,2) und "Denn wer den Willen tun meines Vaters im Himmel, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter" (Mat 12,50)

meine mom versteht es.. übrigens auch mein dad, mein bruder und die restliche familie. nicht weil sie mich nicht lieben, sondern gerade weil sie mich lieben. und selber jesus mit ganzem herzen nachfolgen.

Kerstin hat gesagt…

hi aqu,
hab bis heute nochmal über deine anderen statements nachgedacht.. also.. 1. es ist für mich nicht 'Gericht' oder 'Pflicht', sondern 'Liebe' und 'Sehnsucht'.
2. finde ich das Wort "Underdogs" extrem würdelos und unzutreffend. ok, vielleicht hätte ich noch Situationen wie "in der Küche eines 5-Sterne-Hotels", etc. aufschreiben können.

zur Ergänzung kannst du dir ja mal die Predigt von Christoph heute anhören --> was war das "Parteiprogramm" von Jesus..

Anonym hat gesagt…

Hallo Kerstin,
es ist Spannung, immer, wenn wir uns mit etwas auseinandersetzen (müssen). Sonst wäre es ja Normalzustand. Wenn Deine Familie das so versteht, hast Du eine Gute und stabile Beziehung zu deiner Familie. Meine Gedanken rühren möglicherweise daher, dass ich gerade daran arbeite meine verletzte Mutter-Sohn-Beziehung zu heilen/heilen lassen. Daher ist mein Blick aktuell mehr auf unausgesprochene Konflikte gerichtet. Du kennst ja Stacy Eldregde "Weißt du eigentlich..."

Ich bin einfach wach, wenn es um Symboliken geht. Ich will auf keinen Fall dir das unterstellen, ich sehe dein Herz bei der Sache, ich frage nur, warum denken wir (oder denken eben nicht) an den symbolischen Terminen daran, was mit den Mitmenschen passiert und warum "vergessen" wir es im Alltag? Weil es noch nicht in "Fleisch und Blut" übergegangen ist?
Ich habe mir das auch schon gedacht, als du den Bericht über Afrika geschrieben hast. Wenn du mal "Tränen der Sonne" gesehen hast, da gibt es eine der geschilderten Szenen. Ich weiß um die Zustände schon seit Jahren, war abgestoßen, aber habe es in meinem Alltag ausgeblendet. Als ich den Ursprungsartikel gelesen habe, war mir wieder schlecht. Warum müssen wir immer wieder aufgerüttelt werden?

Entschuldige bitte, wenn ich Dich verletzte. Ich wollte dir nicht ans Schienbein treten. Auch keine schlaflose Nacht bereiten (hatte nicht gedacht, dass du so schnell liest). Mit "Underdog" will ich niemanden herabwürdigen. Wie beschreibt man diese Schicht, die am und unter dem Existenzminimum lebt, mit Prostitution den Lebensunterhalt verdienen muss, Drogenabhängige einsame Menschen ... ? Ich dachte, das wäre ein gängiger Begriff.

Es ist wieder das Spannungsfeld, nachfolgen zu wollen, aber nicht können (wollen). "Bin ich gerecht?" Genüge ich? Es ist gerade verdammt schwer, Parteiprogramm hin oder her. Wir haben "A" gesagt, also müssen wir auch "B" sagen.

Ich sehe einfach in meinem direkten Wirkungskreis die Probleme und tu mir schwer, eine Lösung zu finden. Ich halte mal die Klappe, bis ich mich wieder etwas beruhigt habe. Heute ist anscheinend ein Tag der Buße für mich. Entschuldige bitte.