Ich selbst habe einen Artikel mit dem Thema: "Clusterentwicklungen in der Citychurch - Erste Prozesse auf einem langen Weg" geschrieben. Einen kurzen Ausschnitt und damit Vorgeschmack möchte ich euch hier geben. Und wen es mehr interssiert - bestellt das Buch (das geht direkt bei mir oder eben bei Amazon bzw. im "Buchladen eures Vertrauens"..) und vertieft euch in spannende Beziehungsgedanken!

Toblerone-Kirche
Eigentlich begannen wir im Leitungsteam erst jetzt, uns intensiv mit der Frage auseinanderzusetzen, was Cluster eigentlich sind und was es bedeuten würde, eine Netzwerkkirche zu leben. Inspiriert vom Transforum „Gemeinsam für Berlin“ und dem Think Tank in Münster mit Alan Hirsch, lasen wir das Buch „Clusters – Creative mid-sized missional Communities“ von Bob Hopkins und Mike Breen. Darin beschreiben die zwei Autoren der St. Thomas Church in Sheffield, wie sie mittelgroße Gruppen als missionale Gemeinschaften entdeckt haben, durch die Jesu Leben in verschiedenen Formen, Kontexten und Gemeindegrößen in unserer pluralistischen Gesellschaft sichtbar und lebbar werden kann. Cluster sind für sie eine Gruppe aus 25 bis 55 Leuten. Jeder Cluster hat dabei vier Dimensionen:
die vier Dimensionen up/in/out/of
Up – das Wachsen in der Beziehung zu Gott (nach oben) und Teilen von ganzheitlicher Spiritualität;
In – sie gestalten Gemeinschaft einzelner Menschen (untereinander) als Ort der Zugehörigkeit und Partizipation, an Orten, Tagen und Zeiten, die für sie passen;
Out – ihr Schwerpunkt ist die missionale Ausrichtung (nach außen): Identität und ihren Auftrag haben sie durch eine einende VISION für einen geografischen Bereich oder eine soziale Gruppe, wobei sie sich auf die Lebensform und den Kontext der Gruppe einstellen;
Of – Cluster sind als Netzwerke untereinander verbunden zum Beispiel durch gemeinsame Projekte, Vernetzung der Leiter oder Vernetzung mit anderen Kirchen.
Kurz gesagt, entsteht aus der IN-UP-OUT-Triangel durch die verbindende Ebene OF die „Toblerone-Kirche“.
Cluster können dabei entweder aus mehreren Cells (Kleingruppen) entstehen, oder die Cells bilden sich erst im Nachhinein, oder es gibt gar keine Kleingruppenstruktur. So definieren sich Cluster gerade nicht durch ihre mittlere Größe, sondern über ihre VISION. Doch die begrenzte Menge der Leute ermöglicht es, klein genug zu sein, um eine zielgerichtete Vision zu teilen und groß genug, um diese umzusetzen. Diesen Gedanken haben wir als Leitungskreis bei Hopkins und Breen zum ersten Mal so deutlich gelesen. Dadurch verstanden wir viele Fragen und die Unzufriedenheit mit unseren bisherigen Cluster-Experimenten besser. Der Zusammenhalt in diesen Netzwerken kann erstens durch eine gemeinsame Vision, zweitens mittels gemeinsamer Werte und drittens durch eine gemeinsame Sprache (zum Beispiel ein kreativer Name) gefördert werden. Die „Celebration“ (Großkirche) hat in diesem Netzwerk die Aufgabe, die Cluster mit zentralen Ressourcen zu unterstützen – neben einer klaren Vision und Werten der Gesamtgemeinde gilt es vorwiegend, Leiterbeziehungen zu fördern, gemeinsame Events zu haben (Taufe, Abendmahl, Hochzeit) und eine zentrale Struktur für Ressourcen bereitzustellen (zum Beispiel für die Bereiche Training, Kinderarbeit, Jugendarbeit, Finanzen, Kommunikation …).
Es wurde uns an diesem Wegabschnitt noch einmal sehr deutlich, dass eine „Cluster“-Kirche viel mehr ist als nur das Einfügen einer neuen Beziehungsebene. Kirche auf diese Art zu verstehen und zu leben, würde eine Gemeinde wie unsere sehr stark verändern. Mit ungefähr 450 Gottesdienstbesuchern („Celebration“), etwa 250 bis 300 miniChurch-Besuchern („Cell“) und momentan 150 festen Mitgliedern wird es viele Jahre brauchen, bis aus einer zentralen Struktur eine dezentrale Struktur geworden ist. Und trotzdem arbeiten wir genau darauf hin. Wir hoffen, dass immer mehr Leute ihr Herz und ihre Vision erkennen und anfangen, sich in mittelgroßen Gruppen zusammenzufinden und missional aktiv zu werden. In dieser Bewegung würde Kirche groß werden und klein bleiben. Sie würde nicht durch Addition, sondern durch Multiplikation wachsen und Stadt und Gesellschaft durchdringen. Leitung würde nicht mehr über die Kontrolle einer Hierarchie funktionieren, sondern wir würden prophetisch und apostolisch begabte Leute freisetzen, mit ihrer Vision Gemeinschaft zu formen und Cluster zu lenken. Autorität kann dann durch Förderung von weiteren Leitern und Teams ausgeübt werden, die wiederum Eigeninitiative und Verantwortung übernehmen. Die Angst, dass in solch einer dezentralen Struktur die Dinge außer Kontrolle geraten, ist nicht unbegründet, aber wir glauben, dass dieses Risiko minimiert werden kann. Anstatt auf Kontrolle, wird in einer Netzwerkkirche auf hohe Verantwortlichkeit der Leiter untereinander gesetzt. Folgende Elemente können diese Verantwortlichkeit fördern:
01. eine Grundatmosphäre der Unterstützung und Ermutigung, in der auf Gemeindeebene Zweierschaften/ Dreierschaften gestärkt werden und auf Leiterebene eine Mentoringstruktur entsteht
02. ein Fundament aus gemeinsamen Werten – zum Beispiel werden in Sheffield in allen Gruppen die „Life-Shapes“ gelehrt, dabei symbolisieren acht geometrische Figuren acht Jüngerschaftsprinzipien.
03. Beziehungen, Vertrauen und Freundschaften wachsen durch Offenheit, Hilfsbereitschaft und regelmäßige Treffen.
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